Kaum eine Marke steht weltweit so für automobilen Luxus, für Klasse, für Eleganz wie Rolls-Royce.
Der Geist der Verzückung
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts trifft der britische Elektroingenieur und Autobauer Henry Royce auf den aristokratischen Autohändler Charles Rolls – kaum eine Begegnung hat die Luxus-Automobilbranche so nachhaltig geprägt. Rolls bietet seiner betuchten Kundschaft in Großbritannien unter anderem Fahrzeuge der französischen Autoschmiede Panhard & Levassor, ist mit deren Qualität aber nicht wirklich zufrieden.
Umso mehr begeistert ihn eine Probefahrt im Royce 10hp, und so gründen Rolls und Royce 1906 ihre eigene Firma. Kurze Zeit später präsentieren sie den Rolls-Royce 40/50, den „Silver Ghost“. Ab 1911 ziert die „Spirit of Ecstasy“ (Geist der Verzückung), jenes anmutige, extravagante Flügelwesen und eine der schönsten Kühlerfiguren der Automobilwelt, jeden Rolls-Royce.
Familienzuwachs
1931 bekommt Rolls-Royce mit der Übernahme von Bentley Familienzuwachs – und schickt sportlichere Modelle ab sofort unter diesem Namen auf den Markt. Der Titel Rolls-Royce bleibt den großen Phantom-Limousinen vorbehalten. 1949 geht der „Silver Dawn“ an den Start, das erste Modell mit Werkskarosserie.
Ära des Silver-Shadow
1960 fertigt Rolls-Royce sein Flaggschiff, den „Silver Shadow“, der mit minimalen Änderungen bis 1980 fester Bestandteil der Modellpalette bleibt. Trotz guter Absatzzahlen geraten die Briten zu dieser Zeit in finanzielle Schwierigkeiten. Schuld ist das zweite Standbein, der Flugzeug-Triebwerkbau mit seinen immens hohen Entwicklungskosten. 1971 muss der britische Autobauer Konkurs anmelden. Der Staat wendet beträchtliche Summen zur Rettung von Rolls-Royce auf. Knapp zwei Jahre später splittet man Automobil- und Triebwerkssparte, Vickers übernimmt das Automobilwerk.
Von Bayern in den Orient
1998 sucht dann auch Vickers einen Käufer für Rolls-Royce. BMW und Volkswagen liefern sich ein spannendes Bieterrennen mit pikanten Details: Alles spricht für die Bayern, die seit Langem die Motoren für den Luxuskonzern liefern. Doch Volkswagen bietet 1,4 Milliarden Euro für Werk, Crew und die legendäre Kühlerfigur. Die Wolfsburger versäumen es allerdings, sich die Markenrechte an Rolls-Royce zu sichern – die Bayern sind schneller. Schließlich findet man einen Kompromiss: Volkswagen behält Bentley, Rolls-Royce geht an die Bayern und wird komplett neu aufgebaut.
Aus der aktuellen Kollektion empfehlen sich der Rolls-Royce Ghost und der Phantom. Beide sind ausgestattet mit 12-Zylinder-Triebwerken zum Preis eines Einfamilienhauses, und vor allem bei der betuchten Kundschaft aus dem nahen und fernen Osten sehr beliebt. 2.711 Fahrzeuge verkaufte Rolls-Royce 2010, die Prognosen für 2011 sind äußerst positiv.
Autorin: Isabell Heidrich