Seat – Viva España
Anfangs geschützt durch immens hohe Importzölle, bekommt Seat mit Ende des Franco-Regimes den geballten Konkurrenzdruck zu spüren. Inzwischen segelt der Konzern unter deutscher Flagge, macht seinem Mutterkonzern aber nicht ganz so viel Freude.
Autobau unter Franco
Mit dem Staat als Geldgeber, den spanischen Banken und einer kleinen Finanzspritze von Fiat startet Anfang der 1950er-Jahre die „Sociedad Española de Automóviles de Turismo“, kurz Seat, und mit ihr Spaniens Automobilgeschäft. Geschützt von immens hohen Importzöllen für die Konkurrenz, gedeiht das junge Pflänzchen wohl behütet und präsentiert 1953 sein Mittelklassemodell Seat1400.
Zu Beginn seiner Automobilgeschichte fertigt Seat ausschließlich Fiat-Lizenzmodelle: Der 600 mobilisiert als Kleinwagen die Massen, dem 1500 gelingt als Taxi der Durchbruch. So schwer es ausländische Konkurrenten auf dem spanischen Markt haben, so geschäftstüchtig tastet Seat sich selbst auf andere Märkte vor. Zunächst expandiert der Konzern nach Belgien, in die Niederlande und dann nach Finnland.
Plötzlich Konkurrenz
Mit dem Zusammenbruch des Franco-Regimes 1975 beginnt nicht nur für Spanien, sondern auch für Seat eine völlig neue Zeit. Plötzlich sieht man sich der geballten Automobil-Konkurrenz gegenüber. So wird 1982 fix ein Kooperationsvertrag mit Volkswagen geschlossen. Fiat und Seat dagegen gehen im Streit auseinander. Zwei Jahre später rollt das Erfolgsmodell Ibiza vom Band. Die Basis stammt noch vom Fiat 128, das Äußere vom Wolfsburger Designer Georgetto Giugiaro, die Motoren – bis auf das Diesel-Triebwerk – von Porsche.
Neulinge und Dauerbrenner
In den Neunziger Jahren macht Volkswagen aus Seat endgültig ein Tochterunternehmen und erweitert mit dem Kompaktmodell Leon, dem Van Alhambra und dem Kompakt-Van Altea das Produktportfolio. Der Ibiza ist nach wie vor im Rennen. Trotz guter Absatzzahlen – in 2010 wurden ca. 340.000 Fahrzeuge weltweit verkauft – und der zurückeroberten Marktführerschaft in Spanien bleibt Seat ein Sorgenkind.
Dennoch sehen die Wolfsburger großes Entwicklungspotenzial und setzten sich ein ambitioniertes Ziel: Bis 2018 sollen sich die Absatzzahlen mindestens verdoppeln. Als potenten Markenbotschafter schickt man derzeit den Seat Leon Supercopa mit 265 PS auf die Rallyestrecken der DTM und auf den Nürburgring zum 24-Stunden-Rennen.