Illegale Absprache bei Kraftstoffpreisen?
Laut einer Studie im Auftrag von Gebrauchtwagen.de denkt die große Mehrheit der Autofahrer, dass die Mineralölkonzerne ihre Benzinpreise untereinander absprechen. Aber stimmt das wirklich?
Pünktlich zu Feiertagen, Wochenenden oder Ferienbeginn steigen sie – die Kraftstoffpreise. Selbst wer dann mehrere örtliche Tankstellen auf der Suche nach günstigerem Sprit abfährt, wird meist nicht fündig: Verdächtig oft gleichen sich die Benzinpreise der Anbieter bis ins Detail.
Kein Wunder also, dass laut der repräsentativen Umfrage des Nürnberger Marktforschungsinstituts puls im Auftrag von Gebrauchtwagen.de 92 % der Autofahrer der Meinung sind, dass sich die Mineralölkonzerne bezüglich der Höhe ihrer Kraftstoffpreise absprechen.
Und auch das Bundeskartellamt stellte in Frage, dass an deutschen Tankstellen alles mit rechten Dingen zugeht. Seit 2008 hat es deshalb drei Jahre lang untersucht, ob sich die Wettbewerber über ihre Benzin- und Dieselpreise absprechen. Die Überprüfung mehrerer hundert Tankstellen ergab: Es gibt weder ein Kartell noch verbotene Preisabsprachen.
Das haben die fünf großen Mineralölkonzerne auch gar nicht nötig. Denn gemeinsam beherrschen sie den deutschen Markt fast vollständig. Sie müssen sich nicht absprechen – beobachten reicht völlig aus: Alle fünf verfügen über ein eng gesponnenes Netz von Tankstellen. Diese beobachten ihre benachbarten Konkurrenztankstellen genau und geben deren Preisänderungen an die Zentrale weiter. Dort wird der eigene Kraftstoffpreis dann blitzschnell angepasst. Das Bundeskartellamt hierzu: „Weil wir es bei den Kraftstoffen mit einer gemeinsamen Marktbeherrschung zu tun haben, kommt es nicht dazu, dass einer der fünf Konzerne aus dem Preisgefüge ausbricht und über einen längeren Zeitraum die Preise senkt.“
Auch bei der Bundesregierung sind Kraftstoffpreise schon lange ein Thema. Aber werden sich die von der Politik geplanten Maßnahmen positiv auf die Benzinpreise auswirken? Daran glauben lediglich 17 % der befragten Personen. Gegen die Preistreiberei der Großkonzerne können Autofahrer jedoch jetzt schon selbst etwas unternehmen: Indem sie ihren Tank bei freien und oftmals günstigeren Tankstellen auffüllen – und ein verbrauchsarmes Auto fahren.
Eine Auswahl von Spritsparern gibt es unter: www.gebrauchtwagen.de/sparsame-autos
puls Marktforschung befragte in der repräsentativen Erhebung für Gebrauchtwagen.de im Juni 2011 rund 1.000 Autofahrer.
Autor: Sebastian Wegert